Frühe Eisenindustrie im Orpe- und Diemelraum
Im Waldecker Raum waren ab dem 16. Jahrhundert die Eisenerzvorkommen bei Adorf, die großen Wälder und die Möglichkeit, die Wasserkraft der Flüsse Diemel und Orpe zu nutzen, die Voraussetzungen für das Entstehen der Eisenindustrie. Über dreihundert Jahre hinweg wurde das Orpetal so zum „Industriegebiet“.
Über den so genannten Eisensteinweg wurden vom 16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts jährlich hunderte Tonnen Erz mit Pferdewagen aus den Gruben des Adorfer Martenbergs zur Verhüttung ins Orpetal transportiert. Über 500 Tonnen Eisenerz jährlich wurden in Spitzenzeiten verarbeitet. Pro Jahr machten sich über 1100 Fuhren auf den Weg von Adorf zu den Hütten bei Eilhausen und am Pickhardshammer.
Für die Anfang des 16. Jahrhunderts an der Orpe aufkommende Eisenindustrie wurden große Mengen Holzkohle benötigt. Die Eisenverhüttung in „Hochöfen“ erforderte einen Brennstoff, der einen hohen Heizwert hatte, und der mit Holz nicht zu erreichen war.
Durch die Verkohlung von Holz im Schwelbrand wurde die Holzkohle in den umliegenden Wäldern in Meilern gewonnen, die von Köhlern betrieben wurden.
Neben dem verfügbaren Eisenerz und der Holzkohle war als dritte Grundlage für den Betrieb der Hütten und Hämmer die Wasserkraft der Diemel und Orpe verfügbar.
Die Gewinnung der Energie aus den Bächen durch Wasserräder war seit einigen hundert Jahren aus dem Betrieb der Mühlen bekannt. Die Erzeugung setzte allerdings meist große wasserbauIiche Aufwendungen voraus. Um eine Fallhöhe von meist 3,00 bis 4,00 Meter zu erreichen, musste das Triebwasser durch „Mühlgräben“ vom Hauptgewässer abgezweigt und mit möglichst geringem Gefälle verlegt werden, bis ein genügender Höhenunterschied zum Bach entstand.
Durch die Kenntnis der Verhüttung der Eisenerze zu dem für das Leben so bedeutenden Eisens entstand eine Revolution. Nun war es möglich, bedeutend bessere Geräte und Werkzeuge herzustellen und dadurch weitere Entwicklungen im täglichen Leben zu erreichen.
lm 14. Jahrhundert entstanden die ersten „Hochöfen“. Sie erreichten eine Höhe von 5 bis 6 m. Mit der Einführung der mit einem Wasserrad betriebenen Blasebälge waren die Standorte an die Bäche gebunden. Die Blasebälge führten die Luft für den Schmelzvorgang in den Ofen. In den Hochöfen wurde das zerkleinerte Erz gemischt oder lagenweise mit Holzkohle „aufgegeben“. Durch die größere Höhe der Öfen und die ausreichende Frischluftzufuhr konnte die erforderliche Schmelztemperatur über 1000 Grad C. erreicht werden.
Das auf den Hütten gewonnene Roheisen wurde, soweit daraus nicht sofort beim Abstich Gussstücke hergestellt werden konnten, auf den Hämmern weiterverarbeitet.
Ausschnitt aus der TK 4519, © Waldeckischer Geschichtsverein e.V. Bad Arolsen
„Die Eisenindustrie an der Orpe vom 16. bis 19. Jahrhundert“
Waldeckische Hütten- und Hammererzeugnisse wurden im 16. Und 17. Jahrhundert ins „Ausland“ geliefert; nach Hessen, in den norddeutschen Raum bis Bremen und „an Bremen vorbei“. Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde die Hüttenarbeit weithin lahmgelegt. Nach dem Kriege aber begann auf einer Anzahl der alten und neu errichteten Hütten eine zweite Blütezeit der waldeckischen Eisenindustrie über 150 Jahre hinweg.
Die zahlenmäßig geringe Bevölkerung Waldecks war zu einem erheblichen Teil in den gesamten Produktionsprozess eingeschaltet, vor allem in der Nachbarschaft der Eisengruben und Eisenhütten. So bleibt zusammenfassend festzuhalten, dass Waldecks Land und Leute von der ersten Industrialisierung in nicht zu unterschätzendem Maße gestaltet und geformt wurden.
Quellen:
1) Bodenhausen, Heinrich, Die Eisenindustrie an der Orpe vom 16. bis 19. Jahrhundert
2) Schäfer, Karl, Geschichte der Eisenindustrie in der ehemaligen Grafschaft Waldeck im 16. und 17. Jahrhundert
3) Mannel, Gottfried, Die Eisenhütten und Hämmer des Fürstentums Waldeck, Dissertation 1908
